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Single Embryo Transfer – Einer für Alle?

06. August 2019



PD Dr. Andrea Schanz, Vivaneo-Düsseldorf

Ungefähr 10-15% aller Paare haben Probleme schwanger zu werden und sind auf Beratung und Therapie durch Kinderwunschexperten angewiesen. Dabei werden ca. 3% aller Kinder inzwischen nach einer künstlichen Befruchtung geboren. Damit sitzt in jeder Schulklasse ein Kind, das sein Leben einer Kinderwunschbehandlung verdankt (D.I.R.Jahrbuch2017 2018). Die Folgen dieser Behandlungen sind in der heutigen Gesellschaft kaum zu übersehen und Zwillinge gehören inzwischen zu einem gängigen Gesellschaftsbild.

Es ist sicher, dass der Transfer mehrerer Embryonen bei der IVF (ICSI) oder die Hormonstimulation im Rahmen von Inseminationen dafür verantwortlich sind. Nach einem Transfer von zwei Embryonen kann im Fall einer Schwangerschaft mit einer Zwillingsrate von ca. 24% gerechnet werden (D.I.R.Jahrbuch2017 2018). Dabei sind Mehrlingsschwangerschaften mit einem stark erhöhten Risiko für Komplikationen bei der Mutter und den Kindern verbunden, sodass eine weitaus höhere Morbidität und Mortalität besteht. Frühgeburtlichkeit, Spätaborte und eine hohe Kaiserschnittrate sind nur einige der Folgen (Sazonova et al. 2013). Das spielt nicht nur im Einzelfall eine Rolle, sondern ist auch ökonomischer Faktor für die gesamte Gesellschaft (Fiddelers et al. 2006). Denn Betreuung und Entbindung von Mehrlingsschwangerschaften sind weitaus aufwendiger und die Versorgung der häufiger frühgeborenen Kinder langwierig und kostspielig.

Die Kombination von einer sicheren und zugleich erfolgsversprechenden Kinderwunschbehandlung ist das oberste Ziel aller Beteiligten. Das Wissen um die häufigen Mehrlingsschwangerschaften und die damit einhergehenden Probleme beschäftigen Ärzte und Wissenschaftler schon seit geraumer Zeit. Immer vielfältiger werden die Möglichkeiten, eine gezielte Therapie für das einzelne Patientenpaar zu gestalten und eine Auswahl zu treffen für den optimalen Embryo und den bestmöglichen Zustand der Gebärmutterschleimhaut. Optionen wie die verlängerte Kultur mit Blastozysten Transfer sowie eine Untersuchung der Schleimhaut auf Zellbestandteile für die Bestimmung der Empfängnisbereitschaft sind heute Standardverfahren.

Im Rahmen dieser Möglichkeiten ist es gelungen, die Chance auf eine Schwangerschaft auch mit dem Transfer von nur einem Embryo (Single Embryo Transfer, SET) zu erhöhen und damit das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft deutlich zu verringern (Gerris 2005, D.I.R.Jahrbuch2017 2018).

Dabei ist zu bedenken, dass für die meisten Paare der Wunsch nach einem Kind so stark ist, dass das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft gerne in Kauf genommen und sogar positiv bewertet wird. Äußerungen wie „Ach, dann habe ich alles in einem Aufwasch“ oder „vielleicht wird es ja sogar ein Pärchen“ sind keine Seltenheit. Denn wenigen Paaren ist bewusst, wie schwierig und schmerzhaft der Verlauf einer Mehrlingsschwangerschaft sein kann. Oft wird auch nach einem Transfer von drei Embryonen gefragt - und das mit einer freudigen Naivität, die der gefährlichen Situation einer Drillingsschwangerschaft in keiner Weise gerecht wird. Glücklicherweise finden immer weniger Transfers mit drei Embryonen statt. Im Jahr 2017 lag der Anteil der dreier Transfers bei ca. 8% und ist damit in den letzten 10 Jahren um 12% gesunken (D.I.R.Jahrbuch2017 2018). Dem gegenüber stehen Paare, die eine große Angst vor einer Mehrlingsschwangerschaft haben und Verfahren meiden, die dazu führen können.

Es ist die Aufgabe der Kinderwunschexperten, sich ausreichend Zeit zu nehmen und die Patientenpaare einerseits über das Risiko von Mehrlingen aufzuklären und andererseits auch über die Möglichkeit des SET zu informieren. Denn für viele Paare ist die Therapie mit dem SET eine gute Option und bietet mehr Sicherheit für Mutter und Kind.

Aber welches Patientenpaar profitiert von einem SET?

Vielfältige Studien beschäftigen sich genau mit diesem Thema. Zusammenfassend ist man sich einig: je jünger die Patientin, desto höher sind die Erfolgsaussichten auch nach einem Transfer mit nur einem Embryo. Dabei zeigen Studien, dass gerade dann, wenn mehrere Oozyten befruchtet werden können und trotzdem „nur“ ein SET durchgeführt wird, eine besonders gute Schwangerschaftsrate besteht. Die besten Erfolgsaussichten haben hierbei Frauen, die jünger als 37 Jahre sind, nicht mehr als 2 IVF Zyklen durchgeführt haben und eine gute ovarielle Reserve aufweisen (Gerris 2005, D.I.R.Jahrbuch2017 2018).

Was ist eigentlich die kumulative Schwangerschaftsrate?


Die kumulative Schwangerschaftsrate beschreibt die Chance, nach einer bestimmten Anzahl von Embryotransfers schwanger zu werden. So zeigen Daten des deutschen IVF-Registers, dass nach dem 4. Transfer ca. 68% der Patientenpaare schwanger geworden sind. Eine derartige Statistik spielt auch bei der Entscheidung für einen SET eine wichtige Rolle. Zwar zeigt die isolierte Betrachtung der Schwangerschaftsraten des einzelnen Transfers eine klare Überlegenheit des Transfers mit zwei Embryonen. Wird jedoch ein zweiter Transfer im Rahmen der Kryokonservierung nach einem SET mit eingerechnet, belegen die Ergebnisse eine sehr vergleichbare Schwangerschaftschance (Thurin et al. 2004).

Anschaulich wird dies an folgendem Beispiel:

Zwei Patientenpaare bekommen jeweils zwei Embryonen transferiert. Das erste Paar erhält beide Embryonen zusammen in einem Transfer und das zweite Paar nach dem Frischzyklus und im darauffolgenden Kryozyklus. Beide Patientenpaare haben damit eine ähnliche Chance auf eine Schwangerschaft. Allerdings wird bei der SET-Variante des zweiten Paares die Mehrlingsrate drastisch reduziert. Es wurden Zahlen ermittelt, die eine Reduktion von über 20% auf 1,3% ergeben (D.I.R.Jahrbuch2017 2018).

Was bringt die Zukunft?


In Belgien wurde beispielweise errechnet, dass durch die Durchführung von SET und die damit einhergehende Reduktion von Mehrlingsgeburten soviel Geld im Gesundheitssystem gespart werden kann, dass alle nötigen IVF/ICSI-Zyklen aller Patienten finanziert werden könnten.

SET ist sicherlich die Zukunft der Reproduktionsmedizin und möglicherweise auch ein Weg, um jeden Paar auch in Deutschland, unabhängig der finanziellen Situation, eine Kinderwunschbehandlung anbieten zu können.

Literaturverzeichnis

D.I.R.Jahrbuch2017, 2018. D.I.R. Jahrbuch 2017. Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie 1 (Sonderheft), 1-56
Fiddelers, A.A., et al., 2006. Single versus double embryo transfer: Cost-effectiveness analysis alongside a randomized clinical trial. Hum Reprod. 21, 2090-7
Gerris, J.M., 2005. Single embryo transfer and ivf/icsi outcome: A balanced appraisal. Human reproduction update. 11, 105-21
Sazonova, A., et al., 2013. Neonatal and maternal outcomes comparing women undergoing two in vitro fertilization (ivf) singleton pregnancies and women undergoing one ivf twin pregnancy. Fertility and sterility. 99, 731-7
 Thurin, A., et al., 2004. Elective single-embryo transfer versus double-embryo transfer in in vitro fertilization. The New England journal of medicine. 351, 2392-402

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