Lifestyle und Kinderwunsch – Wie ein geeigneter Lebensstil die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen kann

08. Dezember 2020


Die Gestaltung des eigenen Lebens kann Einfluss auf die Fertilität haben. Diese Auswirkungen sind bereits seit geraumer Zeit Bestand wissenschaftlicher Studien, welche sich mit der Frage beschäftigen, ob der Mensch bestimmte Dinge tun oder zu sich nehmen kann bzw. vermeiden sollte, um seine Fruchtbarkeit zu steigern. Wir beleuchten hier verschiedene Empfehlungen, die über unterschiedlichste Medien an Kinderwunschpaare oder Singles herangetragen werden. Vorab weisen wir jedoch darauf hin, dass die einzelnen Studienergebnisse variieren, weshalb die folgend thematisierten Einflüsse nur Anhaltspunkte darstellen.

Die drei medizinisch gesicherten Faktoren 

Für eine Schwangerschaft sind grundsätzlich drei Faktoren wichtig:
eine gesunde Eizelle
eine gesunde Samenzelle
eine funktionsfähige Gebärmutter
Auf eben jene Eizelle, Samenzelle und Gebärmutter kann zu einem bestimmten Grad die eigene Lebensart Einfluss nehmen – im Folgenden die etwaigen Dos and Don'ts. 
Vorab möchten wir Sie außerdem darauf hinweisen, dass Sie bestenfalls sämtliche Maßnahmen mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen und abstimmen sollten.

Dos and Don'ts für eine potenzielle Verbesserung der eigenen Fruchtbarkeit

Insgesamt ist es einfacher, manche Dinge gemeinsam zu ändern. Daher können einige Empfehlungen von beiden Partnern gleichermaßen beachtet werden, um sich gegenseitig zu unterstützen. Zugleich kann hierdurch sowohl die Eizellqualität der Frau als auch die Samenqualität des Mannes verbessert werden. Den größten Effekt zeige – laut einigen Studien – eine nachhaltige Veränderung des eigenen Lebensstils für mindestens drei Monate im Vorfeld eines Kinderwunsches oder einer Kinderwunschbehandlung. 

Don'ts

Rauchen

Als Raucher auf Nikotin zu verzichten, ist wirklich nicht einfach. Da aktives und passives Rauchen einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben kann, lohnt es sich aber, den Nikotinkonsum so weit wie möglich zu reduzieren. Denn Zigarettenrauch enthält eine Vielzahl toxischer Substanzen, wie Nikotin, Kohlenmonoxid, Schwermetalle und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Gegebenenfalls können diese den Menstruationszyklus stören und sich negativ auf die Beschaffenheit der Eizellqualität und der Gebärmutterschleimhaut auswirken.
Das Rauchen kann auch die Fruchtbarkeit des Mannes negativ beeinflussen, denn Nikotinkonsum kann die Samendichte und -beweglichkeit verringern.

Alkohol

In wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass zu viel Alkohol einen negativen Effekt auf die Fruchtbarkeit haben kann. Deshalb empfiehlt es sich, den wöchentlichen Konsum auf ein Minimum zu beschränken. 
Der negative Effekt von Alkohol auf die Fruchtbarkeit liegt vor allem an einer erhöhten Belastung der Leber. Wird diese zu stark beansprucht, können bei Frauen hormonelle Fehlregulationen entstehen, was gegebenenfalls zum Ausbleiben des Eisprungs im natürlichen Zyklus führen kann. 
Beim Mann kann ein erhöhter Alkoholkonsum die Samenqualität verschlechtern. Dies führt unter Umständen dazu, dass die Abortrate steigt.

Über- und Untergewicht

Normalgewicht entspricht einem Body Mass Index (BMI) von 20 bis 25 (kg/m²). Liegt das Körpergewicht innerhalb dieses Spektrums, erhöht sich die Chance, schwanger zu werden. Ein optimales Gewicht kann sich also positiv auf einen Kinderwunsch auswirken. 
Planen Sie eine IVF-Behandlung, empfiehlt es sich, überzählige Kilos im Vorfeld abzubauen. Denn schon eine Reduktion um wenige Kilos kann das Hormonsystem wieder ins Gleichgewicht bringen und die Einnistung des Embryos begünstigen. Regelmäßige Bewegung und eine vitaminreiche und zuckerarme Ernährung unterstützen Sie dabei, ihr Normalgewicht zu erreichen. 

Stress

Reduzierter Stress erhöht nicht nur Ihr Wohlbefinden, er kann auch Ihre Fruchtbarkeit steigern. Versuchen Sie, Ihren Arbeitsalltag so ausgeglichen wie möglich zu gestalten und gönnen Sie sich hin und wieder ein bisschen Ruhe und Entspannung.
Durch das bei Stress verstärkt gebildete Hormon Adrenalin wird die Blutversorgung der inneren Organe sowie die Versorgung des Eierstocks und der Gebärmutter reduziert. Es werden weniger Östrogene ausgeschüttet, und somit kann es zu einer verminderten Eizellreifung und zu einem reduzierten Wachstum der Gebärmutterschleimhaut kommen. Eine erhöhte Sekretion des Hormons Prolaktin hemmt die Eierstockfunktion ebenfalls. Letztendlich kann übermäßiger und dauerhafter Stress unter Umständen dazu führen, dass die Einnistung des Embryos behindert wird. 

Koffein

Auch ein übermäßiger Koffeinverzehr kann einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben. Wir empfehlen ein bis zwei Tassen Kaffee oder Tee (schwarz, grün, weiß) am Tag. Achten Sie auch darauf, nicht zu viele andere koffeinhaltige Lebensmittel, wie Cola oder Energy-Drinks, zu sich zu nehmen.
Eine erhöhte Östrogen-Konzentration in der frühen Follikelphase des weiblichen Zyklus kann die Folge eines übermäßigen Koffeinverzehrs sein. Bei gewöhnlichem Koffeinkonsum sind keine negativen Auswirkungen auf die Spermienqualität bekannt.

Dos

Schlaf

Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus beeinflusst das Hormonsystem und die psychische Belastbarkeit.
Die optimale Schlafdauer liegt ca. zwischen 7 und 8 Stunden. Durch Schlafmangel oder einen unregelmäßigen Schlafrhythmus werden Stresshormone ausgeschüttet, die sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken können. Aber auch zu viel Schlaf bringt den Hormonhaushalt durcheinander. Der Prolaktin-Spiegel – ein Hormon, das nach der Geburt besonders wichtig für die Milchproduktion ist – steigt an. Dies führt dazu, dass die Bildung der für den Zyklus wichtigen Hormone FSH und LH gehemmt und somit der Eisprung bzw. die Eireifung unterdrückt wird.

Gesunde Ernährung

Um eine Schwangerschaft zu befördern, sollten Sie insbesondere auf eine vitaminreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse achten. Auch Fisch ist grundsätzlich fruchtbarkeitsfördernd: Vor allem die in Fisch sowie auch in bestimmten Speiseölen (z.B. Leinöl) enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können einen positiven Einfluss auf die Schwangerschaft und die Kindesentwicklung haben. Von einem übermäßig hohen Fischverzehr ist dennoch abzuraten, denn neuere Untersuchungen zeigen, dass je nach Herkunft des Fisches eine unterschiedlich starke Quecksilberbelastung vorliegt. 
Außerdem sollte ein Mangel an Folsäure, Zink und Eisen ausgeglichen werden, denn diese Nährstoffe können unterstützend auf Ihr Immunsystem und Ihre Furchtbarkeit auswirken. 
Versuchen Sie zudem, Ihren täglichen Kalorienbedarf nicht zu überschreiten, denn durch eine übermäßige Kalorienaufnahme steigt der Insulinspiegel an. Dies beeinflusst u.a. Testosteron-abhängige Stoffwechselvorgänge, die sich ihrerseits negativ auf den weiblichen Zyklus auswirken können (sog. PCO-Syndrom).

Sex

Sex kann einen positiven Einfluss auf die Kinderwunschbehandlungen haben, denn häufige Ejakulation kann die Samenqualität verbessern. Je kürzer der Samen im Körper verweilt, desto weniger ist er schädlichen Einflüssen im Körper ausgesetzt. So reduziert häufige Ejakulation beispielsweise die Wahrscheinlichkeit einer DNA-Schädigung. 
Das Seminalplasma (Flüssigkeit des Ejakulats), das beim Sex ausgeschüttet wird, aktiviert zudem die Immunzellen der Frau. Dadurch kann verhindert werden, dass der Embryo vom Körper der Frau als Fremdkörper wahrgenommen und demzufolge abgestoßen wird.
Geschlechtsverkehr nach Terminkalender, um den optimalen Moment für eine Befruchtung zu nutzen, kann bei unerfüllten Kinderwunsch eine Möglichkeit sein, jedoch ist dies pauschal nicht empfehlenswert. Insbesondere wenn medizinische Indikation vorliegen, kann ein Ausbleiben der Schwangerschaft zu Stress in der Beziehung führen, weshalb der Verkehr zum optimalen Zeitpunkt immer mit dem Arzt abgestimmt sein sollte.   

Bewegung

Regelmäßige, sportliche Aktivität unterstützt das körperliche und psychische Wohlbefinden und wird deshalb bei einer Kinderwunschbehandlung empfohlen. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass der Sport nicht zu exzessiv betrieben wird. Männer sollten etwa bedenken, dass langes Radfahren ihre Samenqualität reduzieren kann. Eine Studie der Norwegian University of Science and Technology  zeigte zudem, dass extremer Sport den Hormonhaushalt durcheinanderbringt und die Eizellenreifung drossel kann. Wer also sehr ausgiebig trainiert, sollte sein Pensum vor und während einer Kinderwunschbehandlung herunterfahren.

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