Wir sind für Sie da!

Öffnungszeiten:
Mo-Fr 07:00 - 20:00 Uhr

Düsseldorf
+49 (0)211 90 19 70
service[at]vivaneo-duesseldorf.de

Berlin
+49 (0)30 20 62 67 20
info[at]vivaneo-berlin.de

Wiesbaden
+49 (0)611 97 63 20
service[at]vivaneo-wiesbaden.de

Frankfurt
+49 (0)69 96 86 96 99
info[at]vivaneo-frankfurt.de

✉ office[at]vivaneo.de

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

Das Anti-Müller-Hormon (AMH)

09. Dezember 2019


Das Anti-Müller-Hormon dient der Diagnostik von hormonellen Störungen und wird im Rahmen einer reproduktionsmedizinischen Stimulationsbehandlung als wichtiger Laborparameter zur Steuerung des Zyklus eingesetzt. Bei der geschlechtsreifen Frau wird das AMH in den Granulosazellen heranwachsender Follikel im Eierstock produziert und kann im Blut nachgewiesen werden. Der Referenzbereich des AMH-Wertes ist altersabhängig und unterliegt einer starken Varianz. Eine Interpretation des Anti-Müller-Hormonwertes ist deshalb nur im Gesamtbild klinischer Besonderheiten, wie beispielsweise Zyklusstörungen, oder in Verbindung mit anderen hormonellen Auffälligkeiten, wie einer Erhöhung des follikelstimulierenden Hormones (FSH) sinnvoll.

Unter Berücksichtigung des Alters der Frau ermöglicht die Bestimmung des Anti-Müller-Hormons eine Einschätzung der Eierstockreserve. Das AMH gibt einen wichtigen Hinweis auf die Anzahl noch vorhandener Follikel und damit Eizellen in den Eierstöcken. Die Größe des Follikelpools ist bereits in der 20. Schwangerschaftswoche in einem weiblichen Fetus mit ca. 7 Millionen Primordialfollikel festgelegt. Dieser Pool wird im Laufe der weiteren Entwicklung kleiner, so dass zum Zeitpunkt der Geburt noch 2 Millionen und mit dem Einsetzen der Menstruationsblutung nur noch etwa 400.000 Primordialfollikel vorhanden sind. Durch den Beginn der weiteren Follikelentwicklung ab der Pubertät reifen in jedem Zyklus mehrere hundert Follikel heran. In der Regel schafft es allerdings nur ein Follikel bis zum Eisprung. Die übrigen heranreifenden Follikel dieses Zyklus gehen zugrunde. Letztlich erreichen von den ursprünglichen 7 Millionen Primordialfollikel im Leben der Frau nur etwa 400 den Eisprung. Das Anti-Müller-Hormon nimmt mit dem kleiner werdenden Follikelpool und der damit abnehmenden Gesamtmasse an Granulosazellen altersbedingt ab.

Tabelle - Richtwerte für die Höhe des AMH bei einer normal fertilen Frau in Abhängigkeit vom Alter

⟨ 30. Lebensjahr ⟨ 2.5 ng/ml
30.-35. Lebensjahr 2.0-2.5 ng/ml
35.-40. Lebensjahr 1.5-2.0 ng/ml


Eine prognostische Einschätzung des Eintretens der Menopause lässt sich aus dem AMH-Wert nicht sicher ableiten. So sind auch 5 Jahren nach dem Abfall des AMH-Wertes unter die laborchemische Nachweisgrenze noch regelmäßige Zyklen mit Eisprung möglich.

Die Bestimmung des AMH-Wertes erfolgt routinemäßig zum Zyklusbeginn und tageszeitenunabhängig. Nach erfolgtem Eisprung kommt es zu einem leichten Abfall. Auch unter der Einnahme kombinierter Kontrazeptiva (Pille) liegt der AMH-Wert etwa 30 % niedriger. Um eine aussagekräftige Einschätzung des AMH zu erhalten, sollte die Messung in diesem Fall erst nach 2-3 einnahmefreien Zyklus erfolgen.

Bei einer vorzeitigen Erschöpfung der Eierstockreserve (prämature Ovarialinsuffizienz) finden sich vor dem 40. Lebensjahr erniedrigte AMH-Werte. Oft ist zugleich der FSH-Spiegel erhöht und es können Zyklusunregelmäßigkeiten auftreten. Die Ursache für eine zu frühe Reduzierung der Eizellreserve ist häufig eine genetische Veranlagung. Andere Ursachen können Autoimmunkrankheiten oder die Endometriose sein. Auch Operationen an den Eierstöcken, Bestrahlungen oder eine zytotoxische Therapie im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung können zur Verringerung der Eizellreserve und damit zu einer Verminderung des AMH-Wertes führen.

Die Erkennung einer drohenden Beeinträchtigung der Eierstockreserve durch die Feststellung des AMH-Wertes ist wichtig, um noch rechtzeitig unterstützende Maßnahmen im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung einleiten zu können und die gewünschte Schwangerschaft noch zu erreichen. Eine direkte Behandlung der Eierstöcke, die zu einer Vermehrung der Follikel und Eizellen führt, ist nicht möglich.

Im Rahmen der assistierten Reproduktionsmedizin wird die Bestimmung des AMH-Wertes zur Einschätzung der hormonellen Stimulierbarkeit der Eierstöcke für die IVF- und ICSI-Behandlung genutzt. So können durch eine alters- und AMH-abhängige Dosisfestlegung der zu verabreichenden Stimulationshormone beispielsweise Überstimulierungen der Eierstöcke vermieden werden. Besonders hohe AMH-Werte sind bei Frauen mit einem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) nachweisbar. Die Patienten neigen bei der Stimulation zur Entwicklung sehr vieler Follikel und haben ein erhöhtes Überstimulationsrisiko. Bei erniedrigten AMH-Werten kann abgeschätzt werden, ob ein Ansprechen der Eierstöcke auf eine Stimulation zu erwarten ist.

Bei AMH-Werten <0,5 ng/ml kann nur mit der Entwicklung und dem Wachstum weniger Follikel bei einer IVF/ICSI-Behandlung gerechnet werden. Damit sinkt ebenfalls die Schwangerschaftschance im Zusammenhang mit einer künstlichen Befruchtung.

Der AMH-Wert ermöglicht eine quantitative Aussage zur Anzahl noch vorhandener Eizellen. Eine qualitative Einschätzung der Eizellen ist mit dem AMH-Wert aber nicht möglich. Für die Schwangerschaftsprognose spielen andere Faktoren, wie das Alter der Frau, eine ebenso wichtige Rolle.